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07.03.2017

VIELE, VIELE BUNTE BILDER.

ABER – WIE TICKT EIGENTLICH EIN ILLUSTRATOR?

Wir haben uns zwei unserer „Stamm-Illustratoren" vorgeknöpft und wollten wissen, wie sie eigentlich zu ihrem Job gekommen sind und wie wir uns das Arbeitsleben eines Illustrators vorstellen können. Mit Pete Monaghan und Alex Langenbeck verbindet uns eine langjährige, freundschaftliche Zusammenarbeit, die wir sehr zu schätzen wissen.

 Pete Monaghan

Peter Monaghn

Steckbrief Pete Monaghan

  • geboren 1961 in Großbritannien, verheiratet, 2 Töchter
  • BTEC Maschinenbautechnik, Redler Conveyors Ltd, Stroud, Glos, GB
  • BTEC Technische Illustration, Blackpool + Flyde College, GB
  • MA Fine Art. Aberystwyth University Wales
  • 25 Jahre Erfahrung als selbstständiger Illustrator (Schwerpunkt Architektur und Technik) und Künstler
  • Vollmitglied der „Society of Graphic Fine Art", London
  • Dozent für Illustration, Aberystwyth University
  • Dozent für Kunst und Zeichnen, Gewerbliches Berufs- und Weiterbildungszentrum St. Gallen seit 2015

Homepage Pete Monaghan

Wie ist Dein Berufswunsch entstanden?
P. Monaghan: Ich wollte immer nur zeichnen, zeichnen, zeichnen. Da ich leider nicht
zur Kunstschule gehen durfte, war es ein längerer Weg, bis ich da gelandet war, wo ich
sein wollte und wo ich jetzt bin.

Erinnerst Du Dich an Dein erstes grosses Projekt?
P. Monaghan: Mein erstes großes Projekt waren ziemlich aufwendige Explosions-
Zeichnungen für Flugzeug-Fahrwerke.

Was war bisher Dein längstes bzw. Dein umfangreichstes Projekt?
P. Monaghan: Das bisher längste Projekt war mit Liebherr Lindenberg und hat
sich über knapp vier Jahre hingezogen. Auch dabei ging es um Flugzeugfahrwerke –
für den Embraer190 Flieger.

Wie kann man sich einen typischen Arbeitsalltag vorstellen?
P. Monaghan: Ich fange nicht allzu früh an – 9 Uhr ist eine gute Zeit – mit einer
Tasse Schwarztee, wie es sich für einen Engländer/Iren gehört – aber mit open end. Nach dem
e-mail-Check plane ich den Tag. Ungefähr 50 % der Zeit verbringe ich mit Kunst und der
Organisation, meine Bilder über Galerien zu verkaufen.

Machst Du auch noch Scribbles von Hand mit Papier und Bleistift?
P. Monaghan: Die meisten Illustrationen entstehen zwar am Rechner, aber das Hand-
gezeichnete ist ganz wichtig, um Ideen schnell zu erfassen. Daher ist der Beginn einer
Arbeit in den meisten Fällen eine Handskizze.

 

Hat ein Illustrator immer Zeichenmaterial dabei?
P. Monaghan:
Ja, tatsächlich habe ich fast immer ein kleines Moleskine Skizzenbuch dabei.
Das passt in jede Tasche. Sogar beim Radfahren möchte ich es immer dabei haben und
im Café sowieso...

Das passt zur nächsten Frage: inwieweit hat die Technik in den letzten Jahren
Deine Arbeit verändert?
P. Monaghan: Der Trend geht immer mehr in Richtung 3D und Animation. Dem bin ich jedoch
bewusst nicht gefolgt. Mir war immer das Individuelle wichtiger. Also habe ich mich darauf konzentriert, meinen eigenen Stil stärker zu definieren und habe eher den
künstlerischen Weg eingeschlagen.

Kommen die besten Ideen wirklich unter der Dusche?
P. Monaghan: Vielleicht, ja. Allerdings muss ich dann die Ideen relativ schnell auf's Papier bringen, um sie später noch zu verstehen...

 

Im Verlagsbereich hat Pete Monaghan mit dem TEAMWERK NEUBERT schon die unterschiedlichsten Karten illustriert. Er bedient sich dabei verschiedener Stile, um geographische Gegebenheiten anschaulich darzustellen. Grundlage für seine Arbeit sind lizenzfreie Karten sowie die individuellen Infos der Gemeinden zur Ergänzung und Verbesserung des Kartenmaterials. Die 3B-Tourismus-Wanderkarte ist ein Beispiel. Sie enthält 8 Touren rund um die namensgebenden Städte Bönnigheim, Besigheim und Bietigheim-Bissingen – der Weinregion an Neckar, Enz und Stromberg.

Alex Langenbeck

Wie ist Dein Berufswunsch
entstanden?
A. Langenbeck: Da mein Umfeld sehr bodenständig war, hatte ich zuerst den Wunsch, einer der ersten weiblichen Schulbusfahrer zu werden. Der Wunsch ist geplatzt, als ich die erste Schulbusfahrerin gesehen habe... Danach wollte ich Schornsteinfegerin werden. Das war so in der vierten Klasse. Der Wunsch ist geplatzt, als mir klar wurde, dass man in diesem Beruf nicht nur lustig auf Dächern herumklettert, sondern auch super in Mathe und Physik sein muss und ständig von anderen Menschen berührt wird, wegen des Glücksbringer-Aspekts. Schwierig. Also habe ich mich dann für's Zeichnen entschieden, obwohl ich von vielen Seiten zu hören bekam, dass es nicht so einfach ist, davon zu leben. Aber es klappt wie man sieht.

Alex Langenbeck

Steckbrief Alex Langenbeck

  • geboren 1975 in Salem am Bodensee, verheiratet, 1 Tochter
  • Studium Kommunikations-Design in Ravensburg
  • 5 Jahre Grafikerin bei Neubert & Jones (jetzt TEAMWERK NEUBERT)
  • Zusatzqualifikation als Animations-Designerin in Hamburg
  • Seit 2001 freie Illustratorin mit Schwerpunkt Animationsfilm + Storyboarderin in Hamburg, Toronto

www.alex-langenbeck.com

 

Erinnerst Du Dich an Dein erstes grosses Projekt?
A. Langenbeck: Ja. Ich war Praktikantin in einer Werbemittelfirma und durfte Schachfiguren zeichnen. Das war ziemlich cool, ist aber leider nie umgesetzt worden. Das erste richtig große Projekt hat sich dann aus meiner Diplomarbeit ergeben. Thema war die Gestaltung und
Illustration von 3 Info-Heften zum Thema Diabetes. Insgesamt wurden daraus in Folge dann 12 Info-Hefte.

Was war bisher Dein längstes bzw. Dein umfangreichstes Projekt?
A. Langenbeck: Das Projekt, für das ich nun die längste Zeit arbeite, nämlich seit gut 10 Jahren, ist tatsächlich das Ambu-Weihnachtskarten-Projekt. Am umfangreichsten waren bisher die Illustrationen von Schulbüchern aus der Cornelsen-Reihe „der, die, das – Sprache und Lesen." Wir haben im Team über drei Jahre hinweg für die Klassen 1-4 jeweils neun Bücher herausgebracht.

Wie kann man sich einen typischen Arbeitsalltag vorstellen?
A. Langenbeck: Ich starte ganz klassisch mit e-mails und Büro-Organisation. Dann schaue ich, was die Wochen-To-Do-Liste hergibt und was kreativ gerade am besten zu mir passt. 
Allerdings sind es meistens ja größere Projekte, so dass nicht jeden Tag ein ganz neues Thema auf der Liste auftaucht.

Machst Du auch noch Scribbles von Hand mit Papier und Bleistift?
A. Langenbeck: Ja, aber meistens nur noch, um erste Ideen für mich festzuhalten. Dabei geht es nur um die Essenz einer Idee oder das Gefühl für Bild und Aufbau. Das mache ich auch bei den Storyboards, um eine grobe Übersicht über den Fluss der Geschichte zu bekommen.

Hat ein Illustrator immer Zeichenmaterial dabei?
A. Langenbeck: Es ist tatsächlich so, dass ich ohne Stift und Skizzenbuch nicht aus dem
Haus gehe. Eigentlich könnte ich unterwegs auch auf das Handy zurückgreifen. Es ist allerdings für mich persönlich wichtig, den Kontakt zum Papier nicht zu verlieren, denn durch die ganze Digitalisierung kann die Beziehung zum originären Zeichnen verloren gehen. Daher fülle ich jedes Jahr ein Skizzenbuch mit Zeichnungen und Illus, die mal mit der Arbeit oder Recherche oder nur mit einem neuen illustrativen Ansatz zu tun haben.

Das passt zur nächsten Frage: inwieweit hat dieTechnik in den letzten Jahren Deine Arbeit verändert?
A. Langenbeck: Tatsächlich ist die Arbeit mit dem Tablet eine Riesen-Erleichterung und fast wie Zeichnen auf dem Papier. Das ganze Radieren und Scannen fällt praktischerweise weg. Da ich direkt nach dem Studium mit Digitaler Illustration angefangen habe, musste ich mich technisch nicht umstellen.

Kommen die besten Ideen wirklich unter der Dusche?
A. Langenbeck: Gute Frage... Auf jeden Fall kommen viele Ideen in Momenten der Entspannung. Da kann auch mal die Dusche dazugehören. Für mich persönlich gehört es dazu,
mich zuerst mit dem jeweiligen Thema zu beschäftigen, ohne einen einzigen Strich zu machen. Recherchieren, Bilder googeln und die „Suppe" im Kopf brodeln lassen. Irgendwann macht es dann „Plop" und ich habe die Bilder vor Augen, die auf Papier dann Form annehmen.

Hast Du einen Lieblingscharakter – Mensch oder Tier?
A. Langenbeck: Ich würde sagen, mir liegen die Menschen noch mehr. Hauptsächliches Augenmerk liegt dabei auf Haltung und Ausdruck. Bei den Tieren mag ich am liebsten, wenn es in den Cartoon-Bereich geht. Bei dem aktuellen Buch „Leon Reed" kann man wohl am deutlichsten sehen, dass ich am meisten Spaß bei der Illustration von menschlichen Charakteren habe.

Schon zum 10. Mal gestaltet Alex Langenbeck alle Jahre wieder die Weihnachtskarte für den Kunden Ambu. »Ambu entwickelt, produziert und vermarktet professionelle diagnostische und lebensrettende Produkte sowie Trainingsgeräte für Krankenhäuser und Rettungsdienste.«(Zitat Website: www.ambu.de) Die Weihnachtskarten-Reihe hat sich über die Jahre etabliert und ist für Geschäftspartner auch im europäischen Ausland bereits zur lieb gewordenen Tradition avanciert. Die „Heroes" wie Elch und Weihnachtsmann sind fester Bestandteil und lassen auf witzig-sympathische Weise Neuprodukte oder Produktgruppen, die im vergangenen Jahr im Focus standen, Revue passieren.

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